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Schlingerkurs

06.06.2010   und   14.06.2010 

Pressemitteilung der BG –Erwitte                                      06.06.2010
Man darf uns das Wasser abgraben. So kann man die Genehmigung des Kreises Soest (Untere Wasserbehörde) offenbar verstehen, die der Firma Seibel-Söhne eine Tiefergrabung unter der Grundwasserlinie erlaubt.  Die Genehmigung wurde bereits im Amtsblatt Erwitte veröffentlicht. Wir als Bürgergemeinschaft (BG) bedauern diese Entscheidung zutiefst, denn die BG-Erwitte hatte als einzige Ratsfraktion begründet Widerspruch beim Kreis Soest eingelegt. Leider ist das nunmehr die zweite Genehmigung dieser Art und es ist eine Frage der Zeit bis weitere Begehrlichkeiten entstehen und genehmigt werden. Eine wirtschaftliche Notwendigkeit besteht nicht, da insgesamt genügend Flächen zum Kalksteinabbau zur Verfügung stehen, auch wenn nicht unter die Grundwasserlinie gegraben wird.


In der letzten Ratssitzung stellte der BG -Ratsherr Karl Dietz folgende Anfrage zum Mühlenbach:  Im Planungs-und Gestaltungsausschuss vom 14. April wurde einstimmig beschlossen, dass der Mühlenbach im „Erwitter Bruch“ mit Fördermitteln renaturiert  werden soll. Warum wird eine Renaturierung nicht vom Anfang bis zum Ende des Mühlenbaches  in Betracht gezogen?  Zudem stellt sich die Frage, wie man mit dieser Genehmigung, weiterhin im Grundwasserbereich Stein abbauen zu dürfen umgeht, mit der Konsequenz, dass der Erwitter Mühlenbach nur durch das Sümpfen/Abpumpen von Grundwasser aus dem Steinbruch Seibel & Söhne künstlich am Leben gehalten wird, ansonsten aber trockenfällt ?  Ist eine Renaturierung unter diesen Umständen  überhaupt noch  sinnvoll? Hat die Verwaltung einen Plan- B, sollten die Pumpen mal abgeschaltet werden/werden/müssen? Gibt es Vorkehrungen, hinsichtlich eines möglichen Versiegens der einzigen noch laufenden Quelle am Schloss und deren Auswirkungen für die Stabilität des Schlosses?


Die Antworten der Verwaltung und des Bürgermeisters waren eher schwach und erinnern an einen Schlingerkurs, bei dem man gleichzeitig nach links und nach rechts fahren will. Der Hinweis auf die zukünftige „Erwitter Senke“ und laufenden Gesprächen mit der Zementindustrie ist eine Vertröstung auf ein Konzept, das noch völlig unkonkret ist. Die Antwort von Herrn Bürgermeister Wessel zum Schloss  ist aufschlussreich und merkwürdig zugleich. Er teile die Befürchtungen zur möglichen Gefährdung der Stabilität des Schlosses, das auf Eichenpfählen gebaut wurde, die von unten immer nass sein müssen. Warum, so fragen wir uns, hat die Verwaltung sich dann nicht gegen die Tiefergrabung  gewehrt ?  Im Gegenteil, die Verwaltung und die Ratsmehrheit aus CDU/FDP hat in ihrer Stellungnahme zum neuen Regionalplan den Passagen zum Wasserschutz widersprochen mit dem Argument „ dass für die heimische Rohstoffindustrie dann ein immenser Abbauverlust  entstünde“. 

14.06.2010

Übrigens heißt es im Planfeststellungsbeschluss für die Erweiterung und Vertiefung der Steinbrüche IV vom 10.06.2010  (Genehmigung zur Abgrabung unter die Grundwasserlinie) des Kreises Soest (Seite 15, Abschnitt Wasser) : " Der Vorhabensbereich befindet sich nicht innerhalb eines Wasserschutzgebietes. Er liegt jedoch im Einzugsgebiet der Solequellen Bad Westernkotten. Unterhalb der Abgrabung befinden sich außerdem Quellbereiche des Mühlenbachs und des Osterbaches...

Für das gesamte Untersuchungsgebiet gilt aufgrund der Durchlässigkeit und der Ausbildung der Deckschichten eine hohe bis sehr hohe Verschmutzungsgefährdung. Mit dem geplanten Vorhaben erhöht sich das potenzielle Risiko der Grundwasserverschmutzung auf der Erweiterungsfläche, da die Überdeckung entfällt.... Eine Beeinträchtigung der Wasserentnahmen des Wasserwerks Eikeloh und der Solbad Westernkotten wird ausgeschlossen, da es nicht zu einem Bilanzverlust für den Grundwasserkörper kommen wird...." 

Später wird dann lapidar die Ungefährlichkeit der Maßnahme festgestellt, oder sollte man besser sagen beschworen, und die Genehmigung für die Tiefergrabung erteilt.

Wenn man den Bescheid liest, kommen doch erhebliche Zweifel an der Seriösität der Aussagen auf. Auf der einen Seite wird auf die Wassergefährdung, sogar der Sloequellen, hingewiesen und auf der anderen Seite wird eine Beeinträchtigung ausgeschlossen. Und das, wohl wissend, dass man die Kapilarströme des Wassers im spröden Karstgestein überhaupt nicht kalkulieren kann.

Es ist nicht auszudenken, was passiert, wenn die Trinkwasserquelle Eikeloh (Stadtwerke Lippstadt) oder die Solequellen in Bad Westernkotten versiegen.

Die Problematik in Bad Westernkotten ist dadurch begründet, dass die tieferliegende Sole-führende Schicht offenbar nur durch den Druck der darüberliegenden Schichten (Grundwasser und Gestein) die Solequellen freigibt. 

 

Homepage der BG Erwitte